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"Erlangen ist das Zentrum des Universums"

30. NOVEMBER -1 - 30. NOVEMBER -1



Investigativer Journalismus obliegt nicht immer dem Fragenden, sondern auch gerne mal dem, der die Antworten liefert. "Kaiser Tobias" von Bonaparte, die am kommenden Sonntag, 10. Oktober, im E-Werk Erlangen zu Gast sind, legt dabei nicht nur den Namen unseres Redakteurs de facto auf den Tisch, sondern verrät euch weitere Geheimnisse, die auch welche sind. Au weia!

++ Guten Tag Herr Lodhi. Ihr Name erinnert mich an schweizerischen Jodelgesang. Sehr vertrauenserweckend. Ich beginne hier gleich mal am Anfang:

Ich bin nicht immer für aufschlussreiche Enthüllungen, aber gerne mal für dauerhafte Zeitnot bekannt...
Für Enthüllungen werden wir ja während der Show in Erlangen hoffentlich zur Genüge sorgen. Bezüglich der Zeitnot kann ich ihnen nur die B-Seite der neuen Single empfehlen, "things are more like they are now". Danach werden sie plötzlich viel mehr Zeit haben als sie es sich vorher jemals zugetraut hätten.

... Helfen sie mir bitte bitte, geben Sie mir das Gefühl ich hätte ne wahnsinns Sache aufgedeckt und kann damit meine Reputation retten:
Herr Lodhi, sie decken hier einen ganz großen Stein auf, und darunter finden sie - oh ja - eine der seltensten Skorpionarten dieses Planeten. Gratulation!

Im Juli fand man Bonaparte zusammen mit - ebenfalls überraschend - Egotronic und Frittenbude in einer sagen wir grenzüberschreitenden Ausgabe der Spex. Sogar auf dem Cover. Welchen Stellenwert hatte das für Sie, dass sich Leute mit einer eher wissenschaftlichen (passt eigentlich nicht das Wort, aber Sie wissen ja was ich meine - ich wollte eben nicht „nerdig“ schreiben) Herangehensweise an Musik für Sie interessieren?
Nun, ich würde hier entgegnen, dass ja bereits im Song "Too Much" der kapelle Bonaparte gerade dieses Wechselspiel zwischen dem was man von halb abwärts spürt und dem was im Kopf vorgeht besungen wurde. Ich denke, dass unter vielen anderen Widersprüchen gerade auch dieser viel mit Bonaparte zu tun hat, also dass wir darauf bestehen, auf der ganzen Länge eine gewisse Befriedigung zu erfahren, in der physischen wie auch in der geistreichen Zone. In die post-neo-post-pre-neo-post-modernen Phase, in der wir ja anscheinend hier zu leben bestimmt worden sind, wird Spaß und Ernst, Freude und Aussage, Zucker und Peitsche viel zu oft von einander getrennt. Insofern dürfen sich sowohl Zeitschriften mit den Kernthema Gartenbau, Sportflugzeuge oder Freikörperkultur wie auch renommierte Blätter wie Spex, die Zeit oder the Times mit Bonaparte ausseinandersetzen.

Auch da steht das Pferd zu Beginn des Interviews im Blickpunkt. Vielleicht wäre es ja richtiggehend investigativ, wenn ich Sie bitte, uns Ihr heimliches Lieblingstier zu verraten?
Ich mag das Tier, dass sich gerade jetzt wo wir so gemütlich miteinander sprechen in ihnen, Herr Lodhi, drin versteckt hält. Da drin ist ein Tier, oder vielleicht auch ein kleiner Streichelzoo, und den möcht ich gerne kennen lernen.

Dem Bericht über Bonaparte in der Spex folgt was Längeres namens „Digitale Evolution“, in dem über Subkultur im digitalen Zeitalter debattiert wird. Bonaparte sind da meiner Meinung nach Grenzgänger. Oder wie sehen Sie das?
Grenzgänger klingt natürlich grundsätzlich gut. Es heißt man wandelt mit dem einen Bein im Einen und dem anderen Bein im Anderen und alles was es da dazwischen gibt, ist im hier und jetzt. Nun denke ich, dass das wort Evolution ja bereits darauf hin deutet, dass wir uns hier mitten in einem Prozess befinden, und ich denke, dass der Wechsel vom Nil-Pferd zum Spring-Pferd damals ja auch einiges an Zeit in Anspruch genommen hatte, und das Niing-Pferd, also das Pferd, welches sich gerade in der Transition befand, sich gar nicht bewusst war, wie ihm da gerade geschieht oder dass es einmal millionschwere Rennen zu bestreiten haben würde. insofern ist auch uns Musikern und noch viel weniger allen bei grossen Konzernen angestellten Menschen wirklich bewusst, wo wir uns hinbewegen, ob das Entertainment schon bald zwischen dem Kaltwasser- und dem Warmwasser-hahn im Bad aus der Röhre kommen wird oder ob die Kunst doch den Euro als ofizielle Landeswährung ersetzen wird. Wir kämpfen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, und die Lobbyisten versuchen die Rohre so zu verlegen, dass genug Druck auf ihrer Leitung bleibt. Ich mag die Möglichkeiten dieser Zeit, in der ich lebe. Abgesehen von folgender ungerechten Tatsache: Der Provider (nennen wir es die "Türsteher" der digitalen Netzwerke) wäre ohne den Content (nennen wir es "die Subkultur") sinnlos, der Türsteher braucht die Subkultur um zu existieren, aber verdienen tut primär nur der Erste. Entsprechend muss man eben einen Fuß auf beiden Seiten der Tür haben. Es bleibt spannend.

Eigentlich wollt ich gar nicht so was staatstragendes fragen. Also frag ich jetzt lieber nach der Frage, die man Ihnen in Interviews lieber nicht stellen sollte, weil Sie keinen Bock hättest, sie zu beantworten?
Ja, tun sie das mal. Fragen sie mich mal was ich nicht gefragt werden möchte. Ich lüge sie jetzt aber ganz offenherzig an, weil ich dann ebendiese Frage bis zum Jahresende noch mindestens 245 Mal beantworten muss, mindestens. Also, fragen sie mich mal: "was haben sie heute zu Mittag gespiesen, oh mein Kaiser, mein Kaiser - was?" und ich würde ihnen antworten: "ich bin das Volk. Eine einfache Fischsuppe war es. Nach einem Rezept der Fischer aus der Bretagne." Es war übrigens sehr lecker.

Oder wie wäre es mit der Frage, ob eure aktuelle Tour von einem Pferdemetzger mitpräsentiert wird, der auch für das Backstagecatering zuständig ist?
Wir essen nur die Pferde von fremden Bands. Unsere eigenen Pferde, wenn sie eines natürlichen Todes gestorben sind, werden zurück auf ihre Weide getragen, dazu spielt die "bonaparte marching trash kapelle" zuerst ein 33 minütiges Lament um alsbald in einen wild ausufernden second-line rhythm aus zu brechen, der - ich sage ihnen hier unter vier Ohren - auch schon einige Pferde aus den ewigen Jagdgründen wieder zurück ins Leben geholt hat. wie sagten doch schon die Indianer: Musik hat wundersame Kräfte.

Genug Quatsch (oder Ernst - je nachdem). Wir brauchen noch ein Zuckerl für eure Fans, die zum Konzert nach Erlangen kommen wollen:
"ichlangen dulangen, sielangen, wir alle belangen nach erlangen." übersetzt: "Erlangen ist das Zentrum des Universums."

Dankeschön
Ich danke. Voila! Der Kaiser

Interview: dl

BONAPARTE. AM 10. OKTOBER IM E-WERK ERLANGEN (SAAL). PRÄSENTIERT VON CURT. HIER GIBT ES GÄSTELISTENPLÄTZE ZU GEWINNEN.




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