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"Vinyl wird uns alle überleben!"

30. NOVEMBER -1 - 30. NOVEMBER -1



"Abgeliefert!" sagt man bei Jazzgigs, wenn einer der Musiker auf den Punkt gespielt hat. Carlos Reisch haben auch abgeliefert. Musikalisch eh längst klar. Zuzüglich ausführlichem Plausch mit unserer Musikredaktion. Bitteschön:

++ Die Nürnberger HipHop-Funk-Band Carlos Reisch hat einiges vor in diesem Jahr. Ein erster Streich findet am 26. März in der Desi (im Rahmen der Reihe "Rockit!" - HIER gehts zum Event) statt: Während am Merchstand die hübsche neue Vinylsingle „control of your mind“ bereit liegt, stellen die 10 Musiker auf der Bühne ihr bald erscheinendes Debütalbum vor, das es dem Tanzbein eine Freude ist. Mehr zu den Themen Jahresplanung, Vinyl und ihre drei „must have“ im Tourbus haben uns Carlos Reisch, die übrigens bereits für den Chiemsee Reggae Summer gebucht sind, im Interview verraten:

Was bedeutet euch das Format Single?
Das Format Single hat sich ja im Laufe der Zeit und vor allem mit dem Aufkommen der digitalen Distribution und des Formats MP3 verändert: früher diente sie dazu im Vorfeld einer Albumveröffentlichung Lust auf den zu erwartenden Longplayer zu machen. Heutzutage werden Singles veröffentlicht, die oftmals völlig unabhängig von einem Album erscheinen. Obwohl wir natürlich sehr happy über MP3, Internetdistribution und die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung sind, sehen wir schon die Gefahr, dass das Konzept „Album“ oder „Albumkonzept“ – wie man es auch nennen mag, immer unwichtiger wird. Dafür haben aber Künstler schneller die Chance, mal eben zwischendurch, eine Single zu releasen, die mit einem Album gar nichts mehr zu tun hat. Mit unserer Anfang Januar 2010 veröffentlichten Single „Control of your mind“ auf Vinyl folgen wir dem „old school“ - Konzept und wollten einfach Lust auf unser Album machen, unsere Hörerschaft erweitern und den Carlos Sound clubtauglich machen.

Wie ist es mit dem „gute alten“ Vinyl im Allgemeinen? Welchen Stellenwert hat das für euch heutzutage?
Vinyl wird uns alle überleben! Obwohl ja gerade mit dem Siegeszug der Compact Disc die Vinylscheiben eine Zeitlang aus den Plattenläden fast komplett verschwunden waren – es sei denn du bist zum Schallplattenmann deines Vertrauens um die Ecke gegangen – gab’s und gibt es nun ja immer noch ein Revival, weil die music nerds einfach wissen, dass Vinyl einen Mehrwert bietet. Und zwar einen der sich nicht nur durch einen Hipness- oder Stylefaktor auszeichnet, sondern einen wirklich emotionalen. Es ist einfach klasse, eine Platte aufzulegen und zu sehen wie sich das Ding dreht, zu sehen, wie da Musik mechanisch eingekratzt ist und mechanisch auch wieder abgenommen wird. Dieses Feeling hast Du bei der CD kaum noch und schon gar nicht mehr bei MP3s.
Für uns kam die Idee einer Single auf Vinyl von unserem Label BaxxBeatMusic, ein noch junges, aber überaus motiviertes Label aus Aschaffenburg, mit vielen kreativen Ideen. Das Label hat einige gute Connections u.a. in die DJ – Szene und eines Tages meinte unser Partner: Lasst uns doch mal versuchen den Carlos Sound, den man ja hauptsächlich durch Live-Performances auf der Bühne kennt, für Plattenteller und Clubs tauglich zu machen. So kam es, dass wir von vier unterschiedlichen Djs plötzlich geremixte Tracks unterschiedlichster Coleur hatten. Mit den heutigen Möglichkeiten der weltweiten digitalen Bemusterung und entsprechenden Kontakten unseres Labels – auch zu Promotionagenturen in den Staaten – bekamen wir tatsächlich Feedback von Djs aus Sao Paolo, Brasilien über New York bis nach Griechenland. Das macht uns zwar bei weitem nicht reich, aber es motiviert und fühlt sich cool an zu wissen, dass da Leute am anderen Ende der Welt unser Zeug anhören, es für gut befinden und sogar noch in Clubs oder im Radio spielen.
Von daher ging die Idee von BaxxBeatMusic auf, einen altgedienten Tonträger zu verwenden und mit neuen digitalen Methoden zu bewerben. Das ist schon irgendwie witzig…

Die Lieblingssingle aus eurem Plattenschrank:
„Honey“ von Erykah Badu. Überhaupt ist die Dame die coolste Soulsister ever…

Mit wem würdet ihr gerne mal ne Single zusammen machen?
Vermutlich mit ihr…darüber hinaus gibt’s‚ ne ganze Menge anderer Künstler, mit denen wir gerne zusammen arbeiten würden…also wenn uns eine Fee ein paar Wünsche erfüllen würde wären das: Q-Tip, Bootsy Collins, Roy Hargrove…so in der Ecke. Bleibt man mal in Deutschland würde uns eine Kooperation mit einer tollen Singer/Songwriterin namens „Mariama“ gut gefallen, sie startet gerade ihre junge Karriere und war kürzlich mit Max Herre auf Tour. Wir steigen natürlich auch ziemlich auf den Boozoo Bajou Sound ein, vielleicht treffen wir die Jungs ja mal bei einem Sauerbraten im Günthersbühler „Fürsattel“ und spinnen ein paar Ideen. Wer weiß…

Verratet uns was zu eurem upcoming Album, was eigentlich (noch) niemand wissen darf:
Das Album heißt „Need to dance“ und drückt konsequenterweise all das aus, womit wir uns als Band bzw. auch in unserem Alltag identifizieren: Das ist in erster Linie mal eine grundsätzlich positive Lebenseinstellung und wir glauben, dass wir dieses Feeling ganz gut einfangen konnten. Das Album macht einfach gute Laune… wir hoffen es zumindest! Darüber hinaus kommt unsere Liebe zu jeglicher Art von black music durch, auf die wir alle in der Band so stehen. Egal ob das nun Funk, HipHop, R&B oder Jazz ist. In gewisser Weiße ist unser Debüt also eine Hommage an diese Musikgenres und an das ureigene Bedürfnis der Menschheit, sich treiben zu lassen, sich dem Groove hinzugeben und zu tanzen.

Kommt das Teil auch auf Vinyl raus?
Nein, hier sind wir dann doch eher konventionell unterwegs und nachdem leider alles immer auch eine Kostenfrage ist, wird’s das Album nur auf CD und eben digital geben. Wenn uns die Muse packt, gibt’s im Nachgang evtl. noch eine Singleauskopplung mit Remixen… diese dann logischerweise auf Vinyl. Bis dahin muss die Bandkasse aber erst mal aus dem fetten Minus raus.

Gesetzt den Fall, ihr hättet die Möglichkeit, mit dem Album im Gepäck so richtig durch zu starten: Wäre das überhaupt möglich mit der ganzen 10er-Besetzung?
Ja, weil wir bei Carlos den Vorteil haben, dass die Band fast ausschließlich aus angehenden Profi-Musikern besteht, also Flexibilität in unseren Lebe(r)n an oberste Priorität steht. Aber klar: Wenn man das alles als richtiges Business betrachtet, von dem man überleben will, muss einiges bewegt werden, auch gagetechnisch. Da braucht man schon die Unterstützung eines etablierten Managements, mit entsprechenden Connections und Know-How, anders ist es kaum zu bewerkstelligen. Also bitte, meldet Euch, wir sind bereisch.

Was wären ansonsten so eure Ziele für das Restjahr 2010?
Wir sind happy, wenn durch unser Erstlingswerk auf Tonträger die Wahrnehmung unserer Musik wachsen würde. Das hat ja alles mit BaxxBeatMusic schon super angefangen, wir freuen uns, wenn das so weiter läuft. Coole Gigs für den Sommer und Herbst, sind gerade in Planung, vielleicht ergibt sich ja im Herbst/Winter noch eine kleinere oder größere Tour durch einige nette Clubs der Nation. Und dann sind wir immer auch äußerst scharf auf Preise, wie z.B. den Grammy, Echo und was es da sonst noch so alles gibt…

Welche drei Dinge dürften im Tourbus auf keinen Fall fehlen?
Ein Hetztelsdorfer, ein Meister und ein Schanzenbräu.

Was liebt ihr an eurer mittelfränkischen Heimat?
Das fränkische Understatement. Wir Franken sind im Vergleich zu anderen Metropolen so was von unselbstbewusst, sagenhaft! Ich finde das eigentlich sehr sympathisch, dass man hier eher bodenständig ist und nicht 10 Meter über der Realität schwebt. Doch gerade im Kulturbereich brauchen wir Kreativen in der Region uns nicht vor Städten wie Stuttgart oder Mannheim zu verstecken. Da könnten wir durchaus mithalten und das sollten wir auch. Aber glücklicherweise wird daran ja auch gearbeitet, in den Clubs, bei den Festivals, in der Musikzentrale, der Jazzszene…etc.

Wo findet man euch im Nachtleben, wenn es die Zeit erlaubt?
Gemeinsam mit Bob Ross von BR alpha auf dem Sofa…“with a little titanium white“…und wenn wir doch mal weggehen auf ein Bierchen dann z.B. gerne ins Willich.

Wo könnte sich die Kulturszenerie Nürnbergs vielleicht sogar noch ein Stück verbessern?
Wie schon angedeutet: die Kulturszene Nürnberg könnte überregional besser wahrgenommen werden. Um das zu erreichen ist es sicher auch wichtig, dass sinnvoll unter den Einrichtungen kommuniziert wird, dass man gemeinsame Sache macht, networking nach dem Motto „Ich helfe Dir, Du hilfst mir“ betreibt, sich gemeinsam hochzieht und auf Ego-Trips verzichtet. Außerdem könnten mehr finanzkräftige Unternehmen hier in der Region erkennen, dass die Kulturbranche auch ein Wirtschaftsgut sein kann, mit dem sich Geschäfte machen lassen – so blöd das auch klingen mag. Die Wertschätzung des kulturellen Lebens muss sich ändern, nicht nur bei den Rezipienten sondern gerade auch bei Unternehmen. Glücklicherweise gibt’s ja schon ein paar, aber es könnten mehr sein, um nicht nur als „Metropolregion“ sondern auch als „Kulturregion“ besser wahrgenommen zu werden. Nürnberg ist eine wunderbare Messestadt, die jedes Jahr zur Spielwaren- oder Biofachmesse Gäste aus der ganzen Welt begrüßt und weit mehr zu bieten hat als nur „3 im Weggla“ und Mittelalter. Wie wäre es denn mal mit einer Musik- oder Kulturmesse auf großem Niveau? Die Musikzentrale z.B. hat das bereits erkannt und arbeitet glücklicherweise durch Konzepte wie die „Verstärkermesse“ im E-Werk an dieser Entwicklung. Das ist ein super Anfang für eine hoffentlich langfristige Entwicklung. Aber Institutionen, Unternehmen und Kommunen müssen hier Eigeninitiative zeigen und gemeinsam an einem Strang ziehen wollen.

Interview: dl

Carlos MYSPACE
Carlos WEB




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