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Andis Corona Capriccio 2: Mental Health und Ofenkäse

24. MäRZ 2020 - 30. NOVEMBER -1

#Andreas Thamm, #Capriccio, #Corona, #coronasucks, #Lesen!, #Nürnberg

Friseure also sind nicht systemrelevant und ich hab eine Idee für eine Challenge: Lasst eure PartnerInnen und WG-KollegInnen und Familienmitglieder in Ruhe und lasst sprießen. Und wenn das alles vorbei ist, kommen wir raus aus unseren Höhlen und vergleichen, was uns in der Zwischenzeit gewachsen ist.

Es ist Wochenende und es ist Samstag und H. sagt, versuch mal einen Tag nicht zu arbeiten. Sagt sie das oder hab ich das gedacht? Man weiß es nicht. Aber ich will es versuchen und teile nur ganz heimlich am Samstagmorgen, wenn sie noch schläft, einen Beitrag auf der curt-Facebook-Page. Vom Fenster im Wohnzimmer aus kann man jetzt gut Eichhörnchen beobachten. Die Natur erobert sich die Straße zurück. Im Innenhof versuchen sich Krähen an der Verdrängung der Tauben.

Statt zu arbeiten, backe ich einen Weiße-Schokolade-Kuchen. Weil mir der Teig zu flüssig erscheint, kippe ich Unmengen Mehl nach. Der Kuchen ist dank seiner Fimo-artigen, massiven Konsistenz quasi ungenießbar. Wir essen ihn trotzdem. In der Spülmaschine geht ein Weißbierglas kaputt. Es ist schön zu sehen, dass viele Menschen jetzt ihr Leben aufbessern mit Yoga und so Sachen. Bei uns gibt‘s beispielsweise Ofenkäse mit Pommes.

Wir haben jetzt mal den Rewe gewechselt für die Abwechslung. Der große Ansturm ist vorbei. Die Klopapier-Regale noch immer leer. Wir greifen beschämt auf die Küchenrollen zurück und wissen genau, dass alle anderen Einkäuferinnen und Einkäufer jetzt auch ganz genau wissen, was wir damit vorhaben. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, Fred Ferkel zu hamstern.

Der Mann vor uns in der Schlange ist von der Quarantäne gezeichnet. Er deutet auf seine schon vollgepackte Rewe-Papiertüte, für die der ja auch bezahlt hat!, und fragt leise stammelnd, ob das wohl meine wäre. Nein, Mann. Aber alles Gute, ja?

Es ist so ruhig jetzt auf den Straßen. Es ist so angenehm. Beim täglichen Mental-Health-Spaziergang, nur zu zweit, ganz klar, Ehrensache, frage ich, ob das nicht eine gute Idee wäre, das im Nachhinein so beizubehalten: Jeder darf raus, aber nur ein Mal pro Tag und nur allein oder im Haushaltsverbund. Und alle Lärm und Müll produzierenden Probleme der menschlichen Zivilisation, Junggesellenabschiede, Zusammenrottungen, Tourismus, werden handstreichartig gelöst.

Nur eine Woche und ich bin schon vollkommen totalitär veranlagt.
Das ist nicht okay, aber: who‘s with me?




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#Andreas Thamm, #Capriccio, #Corona, #coronasucks, #Lesen!, #Nürnberg

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Die Unterstützung ist für freiberufliche Kunst- und Kulturschaffende aller Sparten gedacht, die sich in einer individuellen, tatsächlich existentiellen Notlage, verursacht durch die Corona-Krise, befinden und in Nürnberg wohnhaft oder tätig sind. Dazu werden auch Kulturvermittler*innen (z.B. am KPZ oder freiberuflich) oder Lehrkräft am BZ gezählt. Ab 03. Mai steht das Antragsformular zum Download.  >>
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