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#NUE2025 auf dem Weg zur Kulturhauptstadt #4

30. NOVEMBER -1 - 30. NOVEMBER -1

##NUE2025, #Jan Beinßen, #Krimi, #Kultur, #Literatur, #Stadt Nürnberg

Nürnberg will Kulturhauptstadt 2025 werden – Dazu braucht es neben der Beteiligung der Stadtgesellschaft vor allem Ideen, Konzepte und Visionen. curt stellt jeden Monat Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur vor, die sich genau darüber ihre Gedanken machen: Wie hält uns die Kultur zusammen? In welcher Stadt wollen wir in zehn oder zwanzig Jahren leben? Wie sieht unser Nürnberg 2025 aus? Denn es braucht Utopien, um unser Denken in neue Richtungen zu lenken!
Diesmal mit einem Beitrag des Krimiautoren Jan Beinßen.

Was gibt es Schöneres, als sich im Strom vieler Hundert gut gelaunter Menschen treiben zu lassen und die wunderbare Atmosphäre des Bardentreffens zu genießen? Wenn sich weite Teile der Nürnberger Altstadt in eine Konzertbühne verwandeln und kaum eine Nische frei bleibt, in der nicht ein (Klein-)Künstler alles gibt, um die Umstehenden von der Qualität seiner Darbietungen zu überzeugen oder um sie schlicht und einfach zu unterhalten. Dann stehen die Kulturinteressierten dicht an dicht und lassen sich von dieser ganz besonderen Atmosphäre durchdringen, die es so nur in Nürnberg gibt. Dazu der kulinarische Rahmen mit einer vom Bratwurstdunst geschwängerten Luft. Junge Leute lachen, reife Zuhörer schwelgen, Liebespaare schmusen, die Temperaturen sind (meist) angenehm – und über allem thront die stolze Silhouette der Kaiserburg. Ja, so gefällt mir meine Stadt!

Seit den frühen 90er Jahren bin ich mit meiner Wahlheimat eng verbunden und staune nach wie vor über die kulturelle Dynamik dieser Stadt. Und hierbei spreche ich von der Kultur in all ihren Facetten. Denn es ist ja bei Weitem nicht allein die „Hochkultur“ in Oper, Staatstheater oder Neuem Museum, die Nürnberg für den Kulturinteressierten so liebens- und lebenswert macht, sondern mindestens ebenso die „Subkultur“, wie sie etwa in Teilen der Südstadt und in Gostenhof prächtig blüht und gedeiht.

Am augenfälligsten, weil schillerndsten, präsentiert sich die Kultur(haupt)stadt Nürnberg derzeit wohl auf dem Feld der Festivals, zu dem ja auch das eingangs erwähnte traditionsreiche Bardentreffen zählt. Rock im Park, Klassik Open Air, Stars am Luitpoldhain, Stadt(ver)führungen, Silvestival und natürlich die alles überstrahlende, fantastische Blaue Nacht – man kommt kaum noch hinterher, um all diese jährlich wiederkehrenden Highlights wahrnehmen und würdigen zu können.

Das aus meiner Sicht stärkste Argument, um Nürnbergs kulturelle Größe zu untermauern, ist jedoch nicht die schiere Anzahl der Events, Ausstellungen, Aufführungen und Ereignisse, sondern der allumfassende Charakter. Da ist etwa der kulturhistorische Bogen, der sich spannen lässt von Albrecht Dürers 1502 entstandenem Aquarell vom weltbekannten Feldhasen bis zur modernen Hasen-Plastik von Ottmar Hörl. Oder lassen wir die Architektur sprechen und bewundern die radikale Unterschiedlichkeit zwischen Stadtmauertürmen und Plärrer-Hochhaus. Gerade diese breit gefasste Differenzierung ist es, die Nürnbergs Kunst und Kultur so einmalig macht.

Die ungeheure Vielfältigkeit des Nürnberger Kulturlebens war und ist für mich immer wieder Inspiration und Ansporn beim Entwerfen meiner Bücher. Mein Anspruch, regionalen Krimis neben den obligatorischen Toten und der Polizeiarbeit immer auch ein Stück Stadtgeschichte mitzugeben, hat mein eigenes Verständnis der Nürnberger Kulturszene ungeheuer bereichert. Einzutauchen in die so ganz eigene Welt der Akademie der Bildenden Künste öffnet den Geist für Neues ebenso wie ein ausgiebiger Blick hinter die Kulissen den GNM. Mit Agnes durchs Dürerhaus zu streifen ist nicht minder lohnenswert, wie sich die erstaunlichen Details des Sebaldusgrabes erläutern zu lassen oder Anekdoten über den legendären TEE-Express im DB Museum zu lauschen.

Viele meiner Recherchen im kulturellen Umfeld haben mein Wissen gemehrt, mich erheitert, manche haben mich verblüfft, andere erschüttert. Für einen zeitgeschichtlichen Roman beschäftigte ich mich ausgiebig mit den Nürnberger Prozessen und der Zeit, die zu diesen geführt hatte – auch dies, ein kulturgeschichtlicher Bestandteil unserer Stadt. Doku-Zentrum und Memorium Nürnberger Prozesse gewähren einen tiefen Einblick in eine Phase des Schreckens und dessen Aufarbeitung. Ein Besuch dieser beiden Orte zeigt auf, wie ernst unsere Stadt ihre Vergangenheit nimmt und wie viel Verantwortung sie ganz bewusst wahrnimmt. Verbunden mit all der anderen Kultur ergibt sich zugleich ein weltoffener und zukunftsorientierter Eindruck.

Welche Stadt hat eine so große Vielfältigkeit zu bieten? Welche ist so sehr durchdrungen von Kultur in all ihren Schattierungen wie Nürnberg? Nürnberg kann den Anspruch auf den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt ohne Wenn und Aber erheben.


Jan Beinßen ist gelernter Journalist und bekannt für seine Regionalkrimis mit Hobbyermittler Paul Flemming.
1997 begann Beinßen mit seiner zweiten Karriere als Buchautor: Im renommierten Reclam Verlag erschien sein Debütroman „Zwei Frauen gegen die Zeit“. Im Jahr 2005 legte er mit „Dürers Mätresse“ den Grundstein für seine erfolgreiche Frankenkrimireihe um den Hobbyermittler Paul Flemming, verlegt bei ars vivendi. 2015 startete mit „Elsässer Erbschaften“ eine neue Reihe im Piper Verlag, die unter dem Pseudonym Jean Jacques Laurent publiziert wird.
Jan Beinßen hat bis heute zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Nähe zu seinen Leserinnen und Lesern sucht er bei seinen beliebten Tatortführungen und Lesungen.
Jan Beinßen ist Träger des Kulturpreises der Stadt Herzogen-
aurach.

www.janbeinssen.de
www.facebook.com/Jan-Beinssen

 




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Die Unterstützung ist für freiberufliche Kunst- und Kulturschaffende aller Sparten gedacht, die sich in einer individuellen, tatsächlich existentiellen Notlage, verursacht durch die Corona-Krise, befinden und in Nürnberg wohnhaft oder tätig sind. Dazu werden auch Kulturvermittler*innen (z.B. am KPZ oder freiberuflich) oder Lehrkräft am BZ gezählt. Ab 03. Mai steht das Antragsformular zum Download.  >>
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